23.04.2017 09:22 Alter: 2 Jahre
Kategorie: Startseite, Presse
Von: Laura Dunkel

Politiker stehen Rede und Antwort - Hitzige Diskussionen beim politischen Tag am Gymnasium Beverungen


 

Wenn vier interessierte Jahrgänge der Oberstufe auf sieben Vertreter der Parteien treffen, dann ist Diskussionsbedarf vorprogrammiert. Beim politischen Tag am Gymnasium Beverungen herrschte reges politisches Treiben. Die von der Schülervertretung organisierte Veranstaltung sollte dazu dienen bei den Jugendlichen die Aufmerksamkeit für die bevorstehenden Landtagswahlen zu wecken.

Dabei standen die Themen Familienpolitik und Bildungspolitik im Mittelpunkt. Nachdem die Vertreter der jeweiligen Parteien ihre Position zuerst in einem kurzen Statement deutlich gemacht hatten, ging es in eine Podiumsdiskussion. Die zentrale Frage drehte sich um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wie soll man da am besten agieren? "Familie und Beruf sind kein Widerspruch. Die Politik muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen und es muss ein Umdenken in der Wirtschaft erfolgen. Der Mensch ist stets für die Wirtschaft da, die Wirtschaft jedoch nicht für den Menschen", befand SPD-Landtagskandidat Marcel Franzmann. Dem stimmte auch Wilk Spieker von den Piraten zu. Er forderte Voraussetzungen, die den Beruf von der steuerlichen Seite für Familien mit Kindern attraktiver gestalten. Er befürwortete ebenfalls eine Kindergrundsicherung. Anstatt jeglicher Transferleistungen von 369 Euro erhob er den Anspruch auf eine Kindergrundsicherung in Höhe von 600 Euro. Klingt vielversprechend, doch wo das Geld herkommen solle, fragte sich so mancher Schüler.

CDU-Landtagskandidat Matthias Goeken sieht die Aufgabe darin, die Abiturienten näher an die Unternehmen zu bringen und ihnen aufzuzeigen, welch gute Unternehmen und Ausbildungswege es im Kreis Höxter gibt. Auch ein duales Studium könne ein Weg sein. Die finanziellen Lasten sollten dabei nicht auf die Kommunen gelegt und eine duale Ausbildung genauso unterstützt werden wie eine universitäre. "Über alle Parteigrenzen hinaus, ist es notwendig, was für die Region zu erreichen", sagte er abschließend. Dem stimmte der Landtagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen Uwe Rottermund zu. "Die Jugend ist unsere Zukunft. Die Kinder stehen bei uns im Mittelpunkt der Politik." Es sei vollkommen legitim, wenn Jugendliche nach dem Abschluss erst einmal ins Ausland oder in eine andere Region innerhalb Deutschlands ziehen, wichtig sei, dass sie sich mit ihrer Heimat hier so verbunden fühlen, dass sie danach wieder zurückkommen möchten. Konsens bei Spieker: Er forderte dahingehend, dass für Menschen unter 25 der fahrscheinlose Verkehr eingeführt wird, damit Ausbildungsstätten leichter erreichbar seien. Des Weiteren müsste hier im ländlichen Raum die Mobilität durch enger getaktete Busverbindungen gesteigert werden.

Im Anschluss an den ersten Teil zur Familienpolitik hatten die Schüler die Möglichkeit gezielte Fragen zu stellen. Mit kritischem Auge hinterfragten sie die ein oder anderen Haltungen der Parteivertreter. Dabei stieß vor allem die von der AfD durch Dr. Ulrich Senkel geäußerte Haltung die Geburtenrate zu erhöhen auf Kritik der Schülerschaft. Im Hinblick auf die Bildungspolitik drehte sich alles um das Problem der Lehrerversorgung, Unterrichtskürzungen und die Schwierigkeit, dass an einigen Schulen - so auch am Gymnasium Beverungen - Fächer wie Informatik seitens Lehrermangels nicht angeboten werden können. Hans-Jürgen Oppermann von der FDP stellte den Aspekt des Ehrenamtlichen in den Raum. Man müsse einige Lehrer dazu bewegen auf ehrenamtlicher Basis zu unterrichten. Dahingehend gab es einen Hieb der Linken. "Wieso soll gute Arbeit ehrenamtlich sein?", positionierte sich Jörg Volacek. Damit ermutige man zu mangelnder Lehrerversorgung. Goeken legte Wert darauf zu betonen, wie wichtig in dieser Angelegenheit ein Konsens zwischen den Parteien sei. In NRW würde am zweitwenigsten Geld in Schulen investiert. Das müsse sich ändern! Die Piraten und die Linke forderten gebührenfreie Bildung, die Linke zudem ein gemeinsames Lernen bis zur 10.Klasse. Auch diesem letzteren Vorschlag wurde von der Schülerschaft kritisch entgegengesehen.

Bei all dem Input war es gar nicht so einfach den Überblick zu wahren, welche Partei sich wie positioniert. Die Politiker debattierten von einem Punkt zum nächsten und die verschiedensten Ansichten prallten aufeinander. Interesse für die bevorstehenden Landtagswahlen wurde dadurch sicherlich bei den Schülern geweckt. Die Diskussionen unter den Schülern gingen auch nach der Veranstaltung noch rege weiter.