22.11.2017 10:17 Alter: 1 Jahre
Kategorie: Startseite, Presse
Von: Michael Urbaniak

35-jähriges Jubiläum deutsch-französischer Schüleraustausch Beverungen - Abbeville (Picardie) Sept. 2016/Mai 2017


Im letzten Schuljahr jährte sich zum 35. Mal der deutsch-französische Schüler- austausch zwischen dem Gymnasium Beverungen und den beiden Collèges Ponthieu und Millevoye in Abbeville (Picardie). Zuerst waren es wieder die deutschen Schüler-

innen und Schüler, die unter der Leitung von Frau Coelho und Herrn Urbaniak in der zweiten Septemberhälfte ihre französischen "correspondantes" und “correspondants” besuchten. Zuvor ging es jedoch erst einmal nach Paris, um französische Hauptstadtluft zu schnuppern. Dabei wurden natürlich die markanten Sehenswürdigkeiten, wie Eiffelturm, Triumphbogen, Champs-Elysées, Place de la Concorde, Tuilerien, Louvre, Centre Pompidou und Sacré-Coeur, besichtigt. Highlights waren sicherlich die Eiffelturmauffahrt “jusqu’au sommet” (“bis zur Spitze“), die einstündige Bootsfahrt mit Führung auf der Seine sowie die Besichtigung der Katakomben. Auch für einen Abstecher zum "Château de Versailles", dem Symbol französischer Großmacht im 17./18. Jahrhundert, war noch Zeit.

    In Abbeville selbst warteten die französischen Gäste dann mit einem abwechslungsreichen und interessanten Programm auf. Dazu gehörten ein Stadtspiel in Abbeville, eine Fahrt mit dem Zug entlang der Somme-Bucht, zu meisternde Parcours im Kletterpark "Salomon" in Saint-Valéry-sur-Somme sowie ein Ausflug nach Amiens (Hauptstadt der Region Picardie) mit seiner klassischen Kathedrale (bauliches Vorbild für den Kölner Dom) und seinen "schwimmenden Gärten" (vergleichbar mit dem Spreewald). Abgerundet wurde das Programm mit der obligatorischen Abschiedsfeier im Bowlingcenter von Abbeville. Von zentraler Bedeutung bei diesem "séjour linguistique" (Sprachaufenthalt) war selbstverständlich die Teilnahme am französischen Unterricht und am Leben in der französischen Gastfamilie.

Nach einer Woche intensiver Eindrücke und persönlicher Kontakte fiel es den Beverungern sichtlich schwer sich von ihren "amies" und "amis" zu trennen. Schulleiterin Mme Berthier vom Collège Ponthieu brachte die Bedeutung der interkulturellen Begegnung auf den Punkt: "Man hat deutlich gesehen, dass Deutsche und Franzosen sich prima verstanden, miteinander kommunizierten, dass die Chemie stimmte!"

Nachdem die deutschen Schülerinnen und Schüler im Herbst vergangenen Jahres  nach Frankreich gefahren waren, war es nun an ihnen, ihre französischen Freunde zu empfangen. Als die Franzosen ihren Heimatort Abbeville verließen, befanden sie sich - aus dem Blickwinkel des 9. Jahrhunderts -  zweifelsohne im Frankenreich. Als sie nach stundenlanger Fahrt Beverungen erreichten und drei Tage später die ehemalige Benediktinerabtei Corvey besichtigten, befanden sie sich - aus demselben Blickwinkel - immer noch im Frankenreich, das sich im 8. Jahrhundert unter Karl dem Großen, König der Franken - der späteren Franzosen-, weit nach Osten ausgedehnt und das dort lebende germanische Volk der Sachsen - der späteren Deutschen -  inkorporiert hatte. Mönche vom Kloster Corbie an der Somme in der Nähe von Abbeville kamen dann im 9. Jahrhundert an die Weser und gründeten dort das Kloster Neu-Corbie, später Corvey (“Corvey“ kommt von “Corbie“!), als östlichen Außenposten fränkischer Christianisierung. Frankreich und Deutschland - wenn man so will - waren also einmal in der Geschichte für eine gewisse Zeit in einem Staat vereinigt.                                   

Auch bei der Exkursion nach Paderborn am nächsten Tag, bei der die Schülerinnen und Schüler die Stadt und ihre Geschichte anhand von Aufgaben erkundeten, ging es um gemeinsame historische Wurzeln. Hier hatte sich der König der Franken, also wieder Karl der Große, mit Papst Leo III. getroffen, um mit ihm seine welthistorisch bedeutsame Krönung zum Römischen Kaiser in Rom selbst vorzubereiten.                                                                   

Die Abschiedsfeier fand zum zweiten Mal in der Gaststätte “Strandgut” an der Godelheimer Seenplatte bei leckerem Buffet, Preisverleihung und Austausch von deutsch-französischen Erinnerungen statt. Das "Strandgut" wurde von Schülern und Eltern gut angenommen, zumal man auf der Terrasse sitzen kann, wovon man einen schönen Ausblick auf den See hat.

Nach einer Woche intensiver "rapports franco-allemands" faßten Deutschlehrerin Christine Dubuc vom Collège Ponthieu und Mathias Schobel vom Collège Millevoye zusammen: "Der Austausch war ein voller Erfolg! Die Stimmung war wirklich gut!"

Das Zusammenleben von Franken und Sachsen in einem Staat sollte übrigens nicht lange funktionieren. Noch im 9. Jahrhundert brach das Reich auseinander und Deutsche und Franzosen rieben sich seitdem in unzähligen Kriegen auf. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die deutsch-französische Freundschaft, vor deren Hintergrund unser Austausch überhaupt erst möglich ist!