Pia Wrede goes Island
Pia (16) ist die erste Teilnehmerin unserer Schule im Rahmen einer Erasmus+ Langzeitmobilität. Sie befindet sich seit Ende Januar in Island und hat uns einen Zwischenbericht zukommen lassen, bevor sie dann im Juni nach Deutschland zurückkehren wird.
Bei diesem Programm können Schüler*innen für bis zu 180 Tage an einer anderen Erasmus+ Schule am Unterricht und Leben teilnehmen. Das komplette Projekt wird finanziell von Erasmus+ gefördert.
Ein Zwischenbericht
Schule
Die Schule startet für mich jeden Morgen um 8.30 Uhr, entweder mit Englisch oder Spanisch. Insgesamt habe ich sechs Fächer (Englisch, Spanisch, Kunst, Nähen, Sport/Health und Isländisch). Am liebsten mag ich Isländisch und Spanisch. Mein Schultag endet an zwei Tagen um 15.40 Uhr und an zwei Tagen um 16.30 Uhr. Freitag ist nur bis mittags Unterricht. Am Anfang dieses Semesters wurde ein neues System eingeführt, das sich "Vinnustund" nennt. Übersetzt bedeutet das "Arbeitsstunden". Es gibt fünf dieser Stunden in der Woche und du entscheidest selbst, an welchem Fach du in dieser Zeit arbeiten willst. Du kannst dir außerdem den Klassenraum aussuchen, in dem du lernen möchtest. Wir haben sechs oder sieben Räume, in denen man während dieser Zeit sein kann, unter anderem einen "quiet room", den ich meist bevorzuge. Ich denke, insgesamt ist das ein gutes Konzept, weil man einfach mehr Freiheit darin hat, seinen Lernprozess zu strukturieren und in einem bestimmten Fach vielleicht einfach mehr Zeit braucht als in einem anderen. Allgemein ist das Schulumfeld sehr angenehm. Es ist eine sehr kleine Schule mit höchstens 50 Schülern und 15 Lehrern. Alle sind sehr aufgeschlossen und das Lehrerzimmer ist jederzeit offen für die Schüler. In Pausen oder Freistunden können wir uns in der Lesstofa oder in der Bibliothek des Ortes (die im gleichen Gebäude ist) aufhalten und arbeiten, oder auch nicht arbeiten. Jeden Morgen um 10 Uhr gibt es Porridge für jeden, der möchte; eines der Ziele der Schule ist die Gesundheit der Schüler, sowohl mental als auch körperlich. Manchmal leitet die Schule Kunst-Workshops. Im Januar war ein Künstler aus Reykjavík zu Besuch, der uns gezeigt hat, wie man mit Hilfe von AI Bilder, Texte und Videos kreiert. Vom 8. bis 10 März gab es einen Workshop, der mit Ton gearbeitet hat. Am Ende sind sieben sehr unterschiedliche Ergebnisse herausgekommen.
Freizeit
In den ersten Tagen und Wochen habe ich viele neue Leute kennengelernt. Ich glaube, ich habe höchstens eine Woche in der Schule verbracht, als Laufey zu mir kam und mich überredet hat, beim Theater mitzumachen. Nach zwei Wochen hat Amylee mich in ihre Band aufgenommen. Das ist es auch, woraus meine Freizeit größtenteils besteht. Mehrmals die Woche gehe ich zur Bandprobe und zum Theater, wo ich zwar keine Rolle habe, aber Backstage helfe, wo ich kann. Am 25. März führt die Theatergruppe „Der Zauberer von Oz" auf und die Band hat einen Auftritt in Reykjavík. Die Band heißt Fókus und besteht aus fünf Mitgliedern. Abba am Schlagzeug, Amylee spielt Gitarre und singt, Alexandra singt und spielt Bass, Anna Lára am Klavier und ich spiele Synthesizer. Wir hatten bis jetzt drei Auftritte. Einen auf dem Jubiläum der Musikschule, einen in der Schule, auf einem Kulturfestival und unseren größten bis jetzt in der Bar von Höfn, Hafið. Wir spielen jede Musikrichtung, von „Let it go" bis Muse über „Hjá Þér" ist alles dabei, auch selbstgeschriebene Songs. Wenn ich nicht gerade beim Theater bin oder bei einer Bandprobe, dann gehe ich gerne mit zum Stall. Das Pferd meiner Gastschwester heißt Fálki. Dienstags und donnerstags spiele ich Volleyball, wozu mich Lilja und Margrét schon am ersten Tag eingeladen haben.
Freunde
Ich habe das Gefühl, dass sie ihre eigene Überschrift verdient haben und erwähnt werden sollten: Nicole, Laufey, Hafdís, Amylee, Anna, Alexandra, Stella, Sóley, Charlyn, Sæver, Filip, Lilja, Margrét, Selma, Almar und Embla. Mit ihnen etwas zu machen, macht einfach Spaß. Wir gehen gerne zusammen zu Hafnarbúðin, ein kleines Bistro am Hafen, spielen Spiele oder fahren um den Ort, wenn das Wetter schlecht ist (das Benzin hier ist nicht so teuer wie bei uns). Außerdem haben wir im Januar einen Roadtrip nach Egilsstaðir gemacht.
Gastfamilie
Meine Gastfamilie ist die beste. Sie unterstützen mich, wo sie können und ich fühle mich sehr wohl bei ihnen. Hildur und ich haben viele gleiche Interessen. Wir hören die gleiche Musik, reiten beide und haben den gleichen Humor. Sindri spielt gerne Fußball und geht schwimmen. Ich habe schon einen großen Teil der Familie kennengelernt: die Schwestern, der Bruder, die Großeltern sowie Tanten und Onkel. Wir unternehmen oft Dinge zusammen, wenn die Zeit es erlaubt. An einem Wochenende haben wir Hildurs Schwester Perla und ihre Familie in Grindavík besucht, an einem anderen Wochenende waren wir beim Vatnajökull. Ich habe Hildur bei einem Wettbewerb im Reiten zugesehen und war mit Heiður und Sindri in Reyðarfjörður, um ihm bei einem besonderen Fußballtraining zuzusehen.
